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Winterstarre (Hibernation)


Allgemein

Die Winterstarre ist elementar und unverzichtbar für die gesunde Entwicklung einer Schildkröte! Die Dauer beträgt 3-5 Monate. Bei Jungtieren sollte man die erste Starre etwas kürzer, ca. 2 Monate, halten und jährlich etwas verlängern. Dies ist ein ganz natürlicher Prozess, da diese wechselwarmen Tiere andernfalls bei winterlichen Temperaturen nicht leben könnten. Ein Unterlassen der Winterstarre bringt zahlreiche Probleme mit sich, wie z.B. zu schnelles Wachstum, schwaches Immunsystem, uvm. Von Übergangsterrarien würde ich absolut abraten. Das zerstört meines Erachtens den ganzen Zyklus und erschwert das ganze Vorgehen bzw. die Vorbereitungs- und Aufwachphase. Wenn ein Tier krank ist, sollte es lieber ausnahmsweise im Haus überwintert werden und in diesem Jahr auf die Starre verzichten.

Jahresüberblick

Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Starre Starre Aufwachphase Aktiv Aktiv Aktiv Aktiv Aktiv Aktiv Vorbereitungsphase Starre Starre

Ablauf

Vor der Winterstarre

☑ ab Ende September findet die Vorbereitung für die Winterstarre statt
☑ die Temperaturen, Sonnenstunden und Tageslänge werden langsam reduziert
☑ die Tiere werden immer inaktiver und stellen langsam die Nahrungsaufnahme ein
☑ die Schildkröten vergraben sich leicht
☑ vor dem ersten Frost, müssen die Schildkröten an den vorgesehenen Überwinterungsort (Kühlschrank, Keller o.ä.) gebracht werden

Woche 1 2 3 4 5
Tagestemperatur 25 20 17 13 10
Nachttemperatur 14 12 10 8 6

Während der Winterstarre

☑ regelmäßige Temperaturkontrollen (zwischen 4 und 6 °C)
☑ Kühlschrank wochentlich öffnen um Luft auszutauschen
☑ Substrat feucht halten. Durch z.B. nasse Tücher im Kühlschrank bleibt eine gute Luftfeuchtigkeit.
☑ Tiere kontrollieren, z.B.:
o Auffälligkeiten am Bachpanzerdurch
o Antippen der Beinchen, ob das Tier noch reagiert
o Gewichtskontrollen (ca. 1x im Monat)

Nach der Winterstarre

☑ abschließende Kontrolle von Gewicht und Tier
☑ Temperatur Stück für Stück erhöhen
☑ lauwarmes Wasser anbieten
☑ es kann mehrere Tage dauern, bevor das Tier wieder anfängt zu fressen

Anleitung

Die wichtigste Regel bei der Winterstarre ist: je naturnaher die Schildkrötenhaltung desto einfacher geht die Winterstarre. Aus einem ganz einfachen Grund: In der freien Natur haben die Schildkröten auch niemanden der ihnen für die Starre hilft. Wenn die Schildkröten in einem Freigehege leben und die Tage kürzer werden, die Temperaturen niedrieger und die Sonne seltener scheint, bereiten sich die Schildkröten ganz automatisch auf die Starre vor. Das heißt sie essen seltener, entleeren ihren Darm, reduzieren Stück für Stück die Aktivität, bis sie sich schließlich leicht vergraben.
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Die Tagestermperaturen sollten während der Vorbereitsungsphase dennoch relativ hoch sein, damit der Stoffwechsel weiterhin funktioniert. Idealweise lässt man die Schildkröten oder zumindest den Kot mehrere Wochen vorher von einem Tierarzt untersuchen, da es bei Wurmbefall oder Krankheiten während der Starre zu Problemen kommen kann. Ein Bad vor der Winterstarre lässt die Schildkröten benötiges Wasser aufnehmen und den Darm entleeren. Allerdings kann es bei zu häufigem Baden später in der Starre zu Probleme kommen. Das Wiegen der Tiere (z.B. monatlich) während der Starre ist ratsam. Vorallem wenn Tiere ungewöhnlich aktiv sind bzw. sich ausgegraben haben. Ein hoher Gewichtsverlust während der Starre kann ein Anzeichen auf schwerwiegendere Probleme sein. In diesem Fall sollte ein fachkundiger Tierarzt zu Rate gezogen werden. Ist ein Tier erkrankt, muss es in der Wohnung unter Anleitung des Tierarztes ausgewintert werden. Dazu sollte man die Temperaturen Stück für Stück erhöhen und nicht sofort von 5 auf 30°.

Starre im Kühlschrank

Bevor der erste Frost kommt sollte man die Schildkröten ausbuddeln, in Boxen legen, die mit Erde und Moos/Laub befüllt sind, und die Schildkröten bei 4-6° im Kühlschrank starren lassen. Den Kühlschrank sollte man wochentlich öffnen um Luft auszutauschen. Ausserdem sollte man das Moos/Erdegemisch regelmäßig mit kühlem Wasser befeuchten. Eine Grundregel lautet, wenn das Laub raschelt, ist es zu trocken.
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Ich würde empfehlen die Temperatur des Kühlschranks regelmäßig zu überprüfen, da diese meist nicht so konstant ist wie man glaubt. Dennoch würde ich vor allem Anfängern die Starre im Kühlschrank empfehlen, da man sich weniger um Frost und Fressfeinde sorgen muss. Anfang März kann es passieren das die Schildkröten dann in ihren Boxen aktiver werden. Allerdings sollte man nicht gleich Panik bekommen wenn sich die Tiere mal etwas bewegen, das ist ganz normal. Hat sich dann mal Mitte-Ende März der Boden im Frühbeet etwas aufgeheizt und ist es absehbar das ein paar sonnige Tage in Folge bevorstehen, sollte man die Schildkröten am frühen Morgen ins Frühbeet überführen. Idealerweise legt man sie in etwa dort hin wo man sie ausgebuddelt hat. Zum Schluss noch mit etwas Laub/Moos bedecken und abwarten. So können die Schildkröten selbst entscheiden wann sie aufwachen. Sobald die Schildkröten aktiver werden sollte man auch mit der Technik starten.

Starre im Freigehege

Der Vorteil dieser Methode ist natürlich ganz klar, dass es noch naturnaher ist. Allerings würde ich es Anfängern nicht empfehlen, da es, wie ich finde, aufgrund von höheren Temperaturschwankungen risikoreicher ist als die Kühlschrankvarriante. Um eine Aufheizung an sonnigen Tagen zu verhindern, sollte man das Frühbeet/Schutzhaus abdecken. Auch der Schutz vor Fressfeinden muss bedacht werden! Ansonsten wären während der Starre auch adulte Tiere schutzlos ausgeliefert. Für eine Starre im Freigehege benötigt man ein Schutzhaus mit Thermotimer und Heizmatte, um Frost zu verhindern. Auf einen Kühlschrank kann selbstverständlich verzichtet werden. Um die Temperatur möglichst konstant zu halten, befüllt man das Schutzhaus ca. dreiviertel mit Laub, welches im Herbst ausreichend vorhanden sein sollte. Ich würde auf jeden Fall ein Thermometer mit Temperaturfühler emfehlen, da Messen an der Oberfläche wenig Sinn macht. Selbstverständlich muss das Schutzhaus gut isoliert sein. Die Überwachung der Schildkröten ist damit je nach Schutzhaus nur bedingt möglich.

Starre im Keller oder ähnliches

Alternativ geht auch Keller, Garage o.ä., sofern dauerhaft die benötigten niedrigen Temperaturen erreicht werden. Bei Garagen und Schuppen muss natürlich für Schutz gegen Fressfeinde gesorgt sein. Da es in meinem Keller zu warm ist, kam für mich diese Variante nie in Frage. Aufgrund von Temperaturschwankungen kann es während der Starre zu Problemen kommen. Auch Frost ist im Schuppen o.ä. keinesfalls auszuschließen. Ein Thermotimer und/oder regelmäßige Kontrolle ist unumgänglich.


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